Warum reagiere ich immer so heftig? Das steckt dahinter #278

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Warum reagiere ich immer so heftig, obwohl der Auslöser im Außen oft gar nicht so groß ist? In diesem Beitrag nehme ich dich mit in eine persönliche Erfahrung, bei der ein paar Bohrlöcher in der Wand in mir einen riesigen Stress ausgelöst haben. Du erfährst, warum solche Überreaktionen meist nicht mit dem Moment selbst zu tun haben, sondern mit alten Erfahrungen, die in deinem Körper gespeichert sind. Und du bekommst eine klare Sicht darauf, wie du in solchen Momenten wieder mehr Verantwortung, Ruhe und Verbindung herstellen kannst.

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Warum reagiere ich immer so heftig?

Ich hatte den Bohrer in der Hand, stand vor einer Wand bei uns zu Hause und wollte eigentlich nur ein paar Löcher bohren. Nichts Weltbewegendes. Ein Klettergerüst sollte montiert werden. Ich hatte mich vorbereitet, mich eingelesen, das richtige Werkzeug besorgt, mir wirklich Gedanken gemacht. Ich dachte, ich bin auf der sicheren Seite.

Dann höre ich es.

Es rieselt auf der anderen Seite der Wand. Ich gehe um die Ecke, sehe handflächengroße Stücke Putz am Boden liegen und in mir geht alles hoch. Wirklich alles. Puls schießt hoch, Stresslevel explodiert, ich schreie nach Katharina, hole meinen Sohn, rufe um Hilfe, bin komplett out of order und habe innerlich das Gefühl: Ich habe alles kaputt gemacht.

Wenn du mich in dem Moment von außen gesehen hättest, dann hättest du wahrscheinlich gedacht: Was ist denn jetzt los? Es geht doch nur um ein paar Löcher in der Wand.

Und genau darum geht es heute.

Weil solche Momente so oft im Alltag passieren. Irgendetwas im Außen passiert, das eigentlich überschaubar ist, und in dir löst es einen Riesenstress aus. Es passt nicht zusammen. Der Auslöser ist klein, die Reaktion riesig. Und danach sitzt du da und fragst dich: Was war das bitte? Warum reagiere ich so? Warum war das eben so krass?

Genau da möchte ich dich heute mit reinnehmen.

Was von außen wie Überreaktion aussieht

Als Katharina dazukam, war ich wirklich völlig drüber. Und das meine ich nicht als nette Übertreibung. In mir war Untergangsstimmung. Titanic. Rettungsboote aufblasen. Alle Menschen retten. Sofort.

Katharina kam dazu, sah die Situation, sah die Putzbrocken, sah die Wand und war relativ entspannt. Nicht begeistert, logisch. Aber entspannt. Für sie war klar: Blöde Ziegelwand, hat halt nicht funktioniert, reparieren wir wieder.

Für mich war gar nichts klar. Für mich war in dem Moment Alarmstufe rot. Ich war im Stress, ich war mit mir selber hart, ich habe innerlich und auch lautstark auf mich geschimpft, ich war nicht erreichbar, nicht ruhig, nicht verbunden. Da war nicht der erwachsene Stefan am Start. Da war etwas ganz anderes da.

Und genau das ist der Punkt, den ich mit dir teilen will: In solchen Momenten reagierst du oft nicht auf das, was gerade passiert. Dein Körper erinnert sich an etwas viel Älteres.

warum reagiere ich immer so heftig

Wenn du dir diese Frage schon öfter gestellt hast, dann will ich dir als Erstes sagen: Nicht, weil du verrückt bist. Nicht, weil du unfähig bist. Nicht, weil du dich nicht im Griff hast. Und auch nicht, weil du ein schwieriger Mensch bist.

Sondern weil dein System in bestimmten Momenten nicht auf die Gegenwart reagiert, sondern auf alte Erfahrungen, die in dir gespeichert sind.

Das heißt: Im Außen ist da vielleicht ein Gespräch, das nicht stattfindet. Ein Blick. Ein Tonfall. Ein nicht weggeräumtes Geschirr. Jemand hört dir nicht zu. Jemand reagiert nicht so, wie du es brauchst. Oder eben: Du bohrst in eine Wand und der Putz fällt runter.

Der Auslöser ist im Heute.

Die Wucht der Reaktion kommt oft von früher.

Bei mir war das in dem Moment nicht einfach nur „Mist, jetzt ist der Putz runtergefallen“. Was in mir angesprungen ist, war: Ich bin allein. Ich habe alles kaputt gemacht. Keiner hilft mir. Ich muss das alleine schaffen. Ich kann das nicht.

Das ist eine alte Geschichte in mir. Meine Mama ist gestorben, als ich fünf Jahre alt war. Und dieses Gefühl von „Ich bin allein, ich muss es alleine schaffen, es ist niemand wirklich da“ kenne ich tief aus meiner Kindheit. Daran arbeite ich seit Jahren. Und trotzdem kann ein Auslöser im Alltag das plötzlich wieder so anstupsen, dass mein Körper sofort in dieser alten Welt landet.

Das ist der Unterschied zwischen Verstehen und Verkörpern. Ich kann viel darüber wissen. Und trotzdem kann mein System anspringen.

Es geht oft gar nicht um das, was gerade passiert

Das ist so wichtig. In dem Moment geht es nicht um die Wand. Es geht nicht um die Bohrlöcher. Es geht nicht um den Putz. Es geht auch nicht um die Frage, ob das Klettergerüst jetzt montiert werden kann oder nicht.

In dem Moment geht es um alte Erfahrungen.

Darum, dass in meinem Körper etwas gespeichert ist, das sagt: Gefahr. Allein. Überfordert. Falsch. Schuldig. Ich muss es irgendwie lösen, sonst wird es schlimm.

Katharina hat das in dem Moment sehr klar gesehen. Sie hat gemerkt: Da steht gerade kein erwachsener Mann, der sich über eine misslungene Heimwerkeraktion ärgert. Da steht gerade ein Kind. Ein Kind, das komplett überfordert ist, das niemanden wirklich erreicht, das um Hilfe ruft und sich gleichzeitig selber zusammenscheißt.

Und das ist etwas, das ich dir von Herzen mitgeben will: Wenn Menschen in deinem Umfeld überreagieren, dann heißt das nicht automatisch, dass sie spinnen oder dass sie absichtlich Drama machen. Oft ist da in Wahrheit ein alter Schmerz in Alarm.

Warum dein Umfeld oft gar nicht versteht, was gerade passiert

Von außen betrachtet passt es oft nicht zusammen. Das macht diese Situationen so anstrengend.

Da ist eine Kleinigkeit. Und die Reaktion ist riesig. Jemand anders steht daneben und denkt: Jetzt beruhig dich doch mal. Es ist doch gar nichts Schlimmes passiert. Stell dich nicht so an. Das ist doch reparierbar.

Ja, natürlich ist es reparierbar. Die Wand haben wir repariert. Die Bohrlöcher sind wieder zu. Es war am Ende kein Weltuntergang.

Aber mein Körper hat in dem Moment nicht auf die Wand reagiert. Mein Körper hat sich erinnert gefühlt. Und genau deshalb hilft reines Logikreden in solchen Momenten oft nicht. Wenn dein Nervensystem auf alt schaltet, dann kannst du nicht einfach mit Vernunft abkürzen.

Das heißt nicht, dass du dem ausgeliefert bist. Aber es heißt, dass du lernen darfst, tiefer hinzuschauen.

Wie daraus Beziehungskonflikte entstehen

Jetzt stell dir vor, Katharina wäre in dem Moment auch in ihren Film gekippt. Sie hätte kommen können und sagen: Sag mal, was machst du da eigentlich? Wie kann man so bohren? Wieso hast du das nicht vorher gecheckt? Wieso reagierst du jetzt so? Reiß dich zusammen.

Dann wäre bei ihr ein alter Trigger angesprungen. Bei ihr wäre sofort hochgegangen: Ich mache alles falsch. Ich werde unfair behandelt. Ich bin an allem schuld. Ich kann es nie richtig machen.

Und dann passiert genau das, was in so vielen Beziehungen passiert: Zwei Menschen stehen sich gegenüber, aber keiner reagiert mehr auf den Moment. Beide reagieren auf ihre Kindheit.

Ich in meinem Film: Ich bin allein, ich muss es allein schaffen.
Sie in ihrem Film: Ich werde unfair behandelt, ich bin schuld, ich kann es nicht richtig machen.

Und bumm. Beziehungskrise.

Nicht wegen der Wand. Nicht wegen der Bohrlöcher. Nicht wegen des Putzes.

Sondern wegen alter Erfahrungen, die durch diesen Moment angestupst wurden.

Das ist der Grund, warum so viele Konflikte in Beziehungen völlig unverhältnismäßig eskalieren. Es geht fast nie nur um den Auslöser im Außen. Es geht um das, was dieser Auslöser in dir berührt.

Was im Körper dann wirklich passiert

Wenn ich von Trigger spreche, meine ich nicht irgendein Modewort. Ich meine damit: Dein Nervensystem springt an. Dein Körper geht in Stress. Die Scheuklappen gehen runter. Du siehst nicht mehr klar. Du bist nicht mehr frei in deiner Reaktion. Du bist nicht mehr verbunden. Nicht mit dir und nicht mit dem anderen.

Bei mir war das nach der Bohraktion nicht sofort vorbei. Das ist auch wichtig. Ich habe mich zwar danach bewegt, Luft geschnappt, mich einigermaßen beruhigt. Aber am Abend, als wir Besuch hatten und später am Kanapee gesessen sind, habe ich gemerkt: Ich will eigentlich nur weg. Ich mag keine Menschen sehen. Ich mag meine Frau nicht neben mir sitzen haben. Ich will eigentlich mit niemandem in Kontakt sein. Ich will nur konsumieren, mich abschotten, nichts spüren.

Auch das gehört dazu.

Manchmal ist der eigentliche Trigger-Moment vorbei, aber dein System ist noch lange nicht wieder in Verbindung. Genau deshalb reicht es oft nicht, nur zu sagen: War eh nicht so schlimm. Komm, Schwamm drüber.

Wenn du nicht verstehst, was da in dir angestoßen wurde, dann bleibt der Reststress im System.

Verantwortung übernimmt nicht der Auslöser, sondern du

Das ist der entscheidende Punkt.

Nicht ich konnte erwarten, dass Katharina das jetzt für mich richtet. Nicht die Wand war schuld. Nicht mein Sohn, nicht die Situation, nicht das Haus, nicht das Material. Der Auslöser war im Außen. Die Verantwortung, das zu verstehen und zu regulieren, liegt bei mir.

Und das ist kein Vorwurf. Das ist Freiheit.

Weil ich in dem Moment, in dem ich verstehe: Ah, da ist gerade der kleine Stefan angesprungen, da ist gerade diese alte Geschichte von „Ich bin allein und ich muss es allein schaffen“, etwas tun kann. Dann kann ich den Druck aus der Situation nehmen. Dann kann ich mich entschuldigen. Dann kann ich sagen: Hey, es tut mir leid, wie ich mich gerade verhalten habe. Das war drüber. Das gehört zu mir. Das ist mein Film.

Und genau dadurch hole ich zu mir zurück, was zu mir gehört.

Katharina muss dann nicht auf mich draufhauen. Sie muss auch nicht mein Kind in dem Moment werden. Sie darf bei sich bleiben und sehen: Okay, da geht gerade was ab, das hat mit mir in Wahrheit nicht wirklich zu tun.

Das ist Beziehung auf einer ganz anderen Ebene.

Wie ich das dann reguliert habe

Am nächsten Tag habe ich Katharina geschrieben, wir haben uns hingesetzt und auf unsere innere-Kind-Art damit gearbeitet. So, wie wir das auch mit Menschen tun, die zu uns kommen.

Und was dann passiert ist: Mein System hat sich beruhigt. Ich konnte wieder in Verbindung gehen. Ich war wieder da. Nicht, weil die Wand jetzt plötzlich egal war. Sondern weil klar war, was wirklich passiert war.

Das ist so ein wichtiger Unterschied.

Du musst nicht nur lernen, dich „zusammenzureißen“. Du darfst lernen, zu verstehen, was ein Auslöser in dir eigentlich anstupst. Welche Überzeugung aus deiner Kindheit da aktiv wird. Welche alte Not da hochkommt. Welcher Teil in dir plötzlich das Steuer übernimmt.

Denn genau dort liegt die eigentliche Lösung.

98 Prozent der Konflikte haben nicht mit dem Auslöser zu tun

Das ist eine steile Aussage, ich weiß. Aber sie stimmt für mich in so vielen Beziehungen, die ich sehe.

Die Menschen streiten nicht wirklich über das Geschirr. Nicht über den Blick. Nicht über den Tonfall. Nicht über das Bohrloch. Nicht über die Frage, wer was wie gesagt hat.

Sie streiten darüber, was in ihnen dadurch ausgelöst wurde.

Da fühlt sich jemand nicht gesehen.
Da fühlt sich jemand allein.
Da fühlt sich jemand schuldig.
Da fühlt sich jemand respektlos behandelt.
Da fühlt sich jemand nicht wichtig.
Da fühlt sich jemand ausgeliefert.

Und diese Gefühle sind meist nicht neu. Sie sind alt. Der Auslöser heute ist nur der Knopf.

Wenn du das einmal beginnst zu verstehen, verändert sich wahnsinnig viel. Dann kommst du raus aus diesem Gedanken: Warum passiert das immer wieder? Warum ist das zwischen uns so schwierig? Warum eskaliert das so schnell?

Weil zwei Nervensysteme miteinander zu tun haben, nicht nur zwei Meinungen.

Warum reagiere ich immer so heftig – und wie kriege ich das besser in den Griff?

Zuerst: Indem du aufhörst, dich nur dafür zu verurteilen.

Scham macht es meistens schlimmer. Wenn du nach dem Trigger auch noch draufhaust mit: Ich bin so deppert. Ich bin unmöglich. Wieso mache ich das immer. Dann verstärkst du nur den alten inneren Krieg.

Der erste Schritt ist Verständnis.

Nicht Entschuldigung im Sinn von: Dann ist ja alles okay.
Sondern Verständnis im Sinn von: Ah, jetzt sehe ich, was da passiert ist.

Der zweite Schritt ist Verantwortung.

Nicht der andere ist zuständig, deinen Trigger zu lösen. Nicht die Welt muss triggerfrei werden. Du darfst lernen, dein System besser zu kennen und zu regulieren.

Der dritte Schritt ist Beziehung.

Du musst damit nicht allein bleiben. Gerade weil diese Muster in Beziehung entstanden sind, lösen sie sich oft auch in Beziehung besser. Wenn du lernst, in Kontakt zu bleiben, dir Hilfe zu holen, offen zu benennen, was da gerade in dir passiert, dann kommt Bewegung in etwas, das früher nur automatisch abgelaufen ist.

Und der vierte Schritt ist Übung.

Nicht einmal verstehen und dann nie wieder triggern. Sondern immer wieder merken: Ah, da ist wieder mein Film. Da ist wieder diese alte Geschichte. Und ich steige nicht komplett ein, sondern ich lerne, schneller zu merken, schneller zu regulieren, schneller zurückzukommen.

Das ist keine Magie. Das ist Arbeit. Aber es verändert wirklich etwas.

Die Einladung hinter diesem Thema

Wenn du in deinem Alltag immer wieder in solchen Stressmomenten landest, wenn du überreagierst, wenn du merkst, dass dein Verhalten überhaupt nicht im Verhältnis steht zu dem, was im Außen passiert, dann will ich dir sagen: Schau tiefer.

Es geht oft nicht um die Situation.
Es geht um das, was sie in dir wachmacht.

Und das zu erkennen, ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist ein riesiger Schritt in Richtung Freiheit.

Denn dann bist du nicht länger nur Spielball deiner Trigger. Dann beginnt etwas in dir zu verstehen: Ah, da ist ein alter Schmerz. Da ist eine alte Überzeugung. Da ist etwas Kleines in mir, das Angst hat. Und ich als Erwachsener darf lernen, damit umzugehen.

Die Wand war nicht das Problem.
Die Bohrlöcher waren nicht das Problem.
Der Putz war nicht das Problem.

Das Problem war, dass in mir etwas Altes so schnell das Steuer übernommen hat.

Und genau deshalb war die Lösung auch nicht, nur die Wand zu reparieren. Die haben wir repariert, ja. Aber die eigentliche Arbeit war die in mir.

Und vielleicht ist das heute auch deine Einladung: Nicht nur das Außen zu flicken. Sondern zu schauen, was in dir bei solchen Momenten eigentlich aufgerissen wird.

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